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Problemstellung: Umweltverschmutzung auf See
Heute werden 70% des deutschen Außenhandels über die Seewege abgewickelt. Nord- und Ostsee zählen zu den dichtestbefahrenen Seegebieten der Welt. Unfälle sowie Verstöße gegen Schiffsbetriebs- und Umweltvorschriften können nicht ausgeschlossen werden. Gegen mögliche Risiken muss jedoch vorgesorgt werden und deshalb verständigten sich Bund und Küstenländer bereits im Jahre 1975 auf gemeinsame Vorsorgemaßnahmen.
Das heute vorhandene Gesamtkonzept umfasst organisatorische und vertragliche Regelungen sowie Schiffe und Geräte zur Bekämpfung von Öl und Chemieunfälle auf Hoher See, in den Küstengewässern und am Strand.
Ein wichtiger Bestandteil des heutigen deutschen Vorsorgekonzepts gegen Meeresverschmutzungen ist die Luftüberwachung. Sie wurde Anfang 1986 mit zwei Flugzeugen aufgenommen, deren Sensoren Ölverschmutzungen unabhängig von der optischen Sicht erkennen konnten. Verschiedene neuentwickelte Sensoren ermöglichen die Erkennung weiterer Schadstoffe, beispielsweise auch Chemikalien, sowie deren Analyse nach Art und Ausmaß.
Für die Fernerkundungsaufgabe sind Sensoren ausgewählt, die sich unterschiedliche physikalische Effekte zu Nutze machen, um in ihrer Kombination zu einem Messsystem den wichtigen Anforderungen hinsichtlich Reichweite sowie der Tageslicht- und Witterungsunabhängigkeit zu genügen.
Ihre Auswahl orientierte sich an folgenden Teilaufgaben:
- Überwachung der Meeresoberfläche über große Entfernungen hinweg mit einem Weitbereichssensor (Radar) zur Registrierung von Strukturen, die auf die Anwesenheit einer Ölverschmutzung hindeuten können,
- anschließende Analyse des Umfanges und der Art einer Verschmutzung mit Nahbereichssensoren (IR/UV-Linescanner, Mikrowellenradiometer, Laserfluorosensor), die zum Beispiel auch eine Vermessung der Dickenverteilung des Ölfilms innerhalb des betroffenen Gebietes sowie eine Schadstoffklassifizierung ermöglichen sowie
- Beweissicherung zur Identifizierung des Verursachers anhand verschiedener Kamerasysteme
Mit der Einführung des Meeresüberwachungsflugzeug DO 228 LM sank die Anzahl der Meeresverschmutzung durch Öl und Chemikalien.
Die verschiedenen Messmethoden im Einzelnen: (Quelle: Deutsche Marine)
SLAR Side Looking Airborne Radar: (Seitensicht - Radar)
Das ist ein Weitbereichssensor für die großräumige Feststellung von Verschmutzungen auf Meeresoberflächen und für die Positionsbestimmung von Objekten.
Als Messprinzip für die Erkennung von Ölverschmutzungen auf der Wasseroberfläche wird der Effekt der Glättung von Wellen durch Öl genutzt. Wenn die vom Flugzeug abgestrahlten Radarimpulse auf eine ölverschmutzte Wasseroberfläche treffen, wirkt diese Öllache wie ein Spiegel, und es werden keine Radarechos aus dem betroffenen Bereich empfangen. Daraus kann auf das Vorhandensein von Öl geschlossen werden. Diese Ergebnisse sind unabhängig von Wetter und Sichtbedingungen (z.B. Nebel, Wolken, Nachteinsatz) erzielbar. Es besteht aus 2 Teilsensoren:
1. Aktiver Weitbereichssensor für die
- großräumige Feststellung von Verschmutzungen auf der Meeresoberfläche (max. Reichweite 40 km links u.40 km rechts des Flugweges)
- Positionsbestimmung von Objekten, wie z.B. Schiffen, Ölbohrinseln zur anschließenden Observierung von möglichen Verursachern
2. Passiver Nahbereichssensor
- zur Identifizierung von Ölschichten auf der Meeresoberfläche
- Vermessung der ölbedeckten Fläche
- Anzeige der relativen Ölschichtdicke
UV Infrarot- und Ultraviolett-Scanner:
Messprinzip Infrarot:
- Es wird die unterschiedliche Wärmeabstrahlung bzw. der unterschiedliche Wärmeaustausch zwischen freiem Wasser zu Luft und Öl auf Wasser zu Luft gemessen. Daraus sind sehr genaue Rückschlüsse auf die von Öl bedeckte Wasserfläche, sowie auf Flächen mit relativ dicker Ölschicht möglich. Dieser Sensor ermöglicht die Darstellung eines Temperaturunterschiedes von 0,2°C und ist bei Tag und Nacht nutzbar.
Messprinzip Ultraviolett:
- Es wird das unterschiedliche Reflexionsverhalten von Sonnenlicht an der Grenzschicht freies Wasser zu Luft und Öl auf Wasser zu Luft gemessen. Daraus sind sehr genaue Rückschlüsse auf die tatsächlich von Öl (auch von äußerst dünnen Ölschichten) bedeckten Wasserflächen möglich. Dieser Sensor ist aufgrund des Messprinzips nur bei Tageslicht nutzbar.
M W R Mikrowellenradiometer / Microwave Radiometer:
Das MWR wurde von der DLR (Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrttechnik), Institut für Hochfrequenztechnik entwickelt und von der Firma Dornier für die DO 228 LM industrialisiert.
Passiver Nahbereichssensor zur
- · Detektion von Ölschichten auf der Meeresoberfläche
- · Schichtdickenmessung von Ölschichten auf der Meeresoberfläche im Dickenbereich von ca. 50 µm bis ca. 2,5 mm.
- · Volumenbestimmung der Ölschicht aufgrund der Dickenmessung
Messprinzip:
- Beim Abtasten der Meeresoberfläche werden thermische Strahlungen aus Richtung der Seeoberfläche (Wasseroberfläche / Ölschicht) in drei fest definierten Frequenzbereichen (18 GHz, 36 GHz und 89 GHz) erfasst. Mit Hilfe eines zusätzlichen Zenithradiometers werden die durch Wettereinfluss bedingten Messungenauigkeiten korrigiert. Die erzielten Ergebnisse sind größtenteils unabhängig von Wetter- und Sichtbedingungen (z.B. Nebel, Wolken, Nachteinsatz).
L F S Laserfluorosensor:
Der LFS ist eine Entwicklung der Universität Oldenburg und wurde von der Firma Optimare industrialisiert.
Aktiver Nahbereichssensor zur
- · Detektion von Verschmutzungen auf und unter der Meeresoberfläche
- · Schichtdickenmessung von Ölverschmutzungen im Bereich 0,1µm bis 20 µm
- · Volumenbestimmung der Verschmutzungen
- · Klassifizierung der Verschmutzungen (Ölsorten, Chemikalien, Algen und Schwebstoffe)
Messprinzip:
- Die im Flugzeug mit Excimer- und Farbstofflaser erzeugten Laserstrahlen treffen auf die Meeresoberfläche und regen dort eine natürliche Fluoreszenz an. Die Art dieser Fluoreszenz wird durch die unterschiedlichen Stoffe im und auf dem Wasser bestimmt. Mit Hilfe eines Teleskops wird die angeregte Fluoreszenz im Luftfahrzeug empfangen und ausgewertet. Ein Vergleich der somit gewonnenen optischen Signale mit gespeicherten Werten erlaubt die Identifizierung der vorliegenden Substanzen.
Einsätze und Übungen: (Quelle: Deutsche Marine)
Bis zu drei Mal täglich sind die zwei Flugzeuge in der Luft auf der Suche nach Umweltsündern. Sie sind bei Tag und bei Nacht im Einsatz, sogar am Wochenende. Eine Ausnahme gibt es nur im Falle einer fälligen technischen Inspektion.
Regelmäßig werden die Maschinen gewartet. Techniker, Mechaniker und Elektroniker arbeiten im Zwei-Schicht-System, damit die volle Einsatzfähigkeit erhalten bleibt. Regelmäßige Inspektionen, Kontrollen und Umbauten werden in nur kurzer Zeit erledigt. Der Austausch eines Propellers dauert in der Regel nicht länger als eine Nacht. Was in diesem Bereich geleistet wird, liegt weit über dem Durchschnitt und wird von der fliegenden Crew sehr geschätzt.
Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit werden jedes Jahr verschiedene spezielle Flugvorhaben durchgeführt. Dazu gehören die Tour d’Horizon-Flüge, CEPCO-Flüge, Joint-Flights, NOFO-Exercises und Intercomparison-Exercises. Diese Flüge dienen unter anderem zur Verbesserung der Überwachungsergebnisse durch Erfahrungsaustausch der einzelnen Besatzungen bzw. zum lückenlosen Überwachen eines speziellen Seegebietes.
- Tour d’Horizon-Flüge (TdH) erfassen fast alle Öl- und Gasbohrinseln in der Nordsee von 52°N bis 62°N zwischen Großbritannien und Norwegen. Diese Flüge werden einmal in jedem Monat (zwischen April und Oktober) von unterschiedlichen Nationen durchgeführt und dauern jeweils zwischen drei und fünf Tagen.
- CEPCO-Flüge (Coordinated Extended Pollution Control Operation) finden sowohl in der Nord- als auch in der Ostsee von unterschiedlichen Flugplätzen aus statt (derzeit zweimal im Jahr). Dabei fliegen vier Nationen mit eigenem Überwachungsflugzeug abwechselnd in 24 Stunden ein spezielles Seegebiet ab. Damit wird eine lückenlose Überwachung des betroffenen Seegebietes und bei Entdeckung von Ölverschmutzungen deren kontinuierliche Verfolgung (z.B. Driftrichtung, Ausdehnung) gewährleistet.
- Joint-Flights werden mehrmals im Jahr im Nord- und im Ostseebereich durchgeführt. Zweck dieser Flüge ist es, von allen Nationen zum gleichen Zeitpunkt deren eigenes Überwachungsgebiet abfliegen zu lassen. Die dadurch erzielte „Momentaufnahme“ der Nord- und Ostsee gibt ein gutes Bild über den Zustand des jeweilig überwachten Seegebietes. Dabei wird in der Nordsee ein Gebiet von 95.000 km² und in der Ostsee ein Gebiet von 18.000 km² überwacht.
- NOFO –(Norwegian Offshore Oil Operators Cooperative) und Intercomparison – Exercises sollen die Einschätzung von Ölverschmutzungen und die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Öl durch Schiffe und/oder Flugzeuge verbessern und dem Erfahrungsaustausch der Besatzungen der beteiligten Nationen dienen.
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