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Lockheed F-104 G Starfighter: Der Starfighter war ab den 60er Jahren das wichtigste Kampfflugzeug der NATO

Lockheed F-104 Starfighter - einstrahliges Kampfflugzeug der Lockheed Corporation

Mit dem Kampfflugzeug Lockheed F-104 “Starfighter” verbinden sich viele Schlagworte: “Heißer Ofen”, “Traumflugzeug”, aber auch “Witwenmacher” und “Starfighterkrise”. Vor allem in der Anfangsphase der Nutzung nimmt die Anzahl der vielen Abstürze einen hohen Stellenwert in der Öffentlichkeit ein. Der verstorbene Politiker Franz Josef Strauß - damals Verteidigungsminister - betrieb maßgeblich die Anschaffung dieses Flugzeuges. Der Vorwurf der Bestechung stand in der öffentlichen Diskusion im Raum, konnte aber nicht bewiesen werden. Wegen der vielen Abstürze entwickelt sich später in diesem Zusammenhang die sog. “Spiegelaffäre”, da die linksliberale Zeitschrift unter der Überschrift “nur bedingt abwehrbereit” die Schwächen der damaligen Bundeswehr zur Diskusion stellte. Dies wurde von konservativen Kräften um F. J. Strauß als Geheimnisverrat interpretiert. Im sich daraus entwickelten Gerichtsverfahren wurde der Herausgeber “Rudolph Augstein” in allen Punkten freigesprochen und rehabilitiert.

Jeder 6. Pilot dieser Maschine stürzte ab, wovon etwa 20 Prozent der Abstürze tötlich verliefen. Die Abstürze des ursprünglich nur für “schönes Wetter” konzepierten leichten Abfangjägers “Starfighter” fanden wohl deshalb statt, weil die Maschine nachträglich mit vielen Geräten und zusätzlicher Bombenlast aufgerüstet wurde, obwohl sie dafür nicht gebaut wurde. Sie war m.E. schlichtweg überladen.

Die F-104 G (“G” steht für Germany) war das erste in Lizenz gebaute Flugzeug der Bundeswehr. 1958 fiel die Entscheidung für die Anschaffung von 916 Stück. Das Flugzeug konnte als Jagdbomber, Abfangjäger, Aufklärer und zur Bekämpfung von Seezielen eingesetzt werden. 

Lockheed F-104 G Starfighter:  “Witwenmacher” oder “Heißer Ofen” ?

Technische Daten:

Lockheed F-104 G Zell - Starfighter Lockheed F-104 F Starfighter Lockheed TF-104 G Starfighter F-104 Starfighter Geschichte und Versuche des F-104 Startfighter

Hersteller

Lockheed Aircraft Corporation

Besatzung

1 Pilot

Typ:

Jagdbomber

Länge:

16,70 m

Flügelspannweite:

6,70 m

Höhe

ca. 4,10 m je nach Beladung

Flügelfläche:

18,22 m²

Flügelstreckung:

2,22

Leergewicht:

6.387 kg

Maximales Startgewicht:

11.720 kg

Höchstgeschwindigkeit:

2.100 km/h in 12.200 m Höhe

Steiggeschwindigkeit:

208 m/s

Dienstgipfelhöhe:

15.240 m

Einsatzradius:

ca. 1.000 km

Überführungsreichweite:

ca. 2.600 km m. Zusatztanks

Besatzung:

1 Pilot

Triebwerk:

1 x General Electric J79-GE-11A-Strahltriebwerk

Schubkraft

ohne Nachbrenner: 47,50 kN

.

mit Nachbrenner: 70,9 kN

Stückpreis:

1,42 Millionen US-Dollar (1961: 6 Millionen DM)

Bewaffnung:

1 x 20-mm-Gatlinggeschütz

.

    M61A1 Vulcan mit 725 Schuss

.

4 AIM-9 Sidewinder-Raketen

.

5 Außenlastenträger mit 1.820 kg

Lockheed F-104 G Starfighter - Kampfflugzeug der Lockheed Corporation

Geschichte des Starfighters in der BRD: Der Starfighter war von 1962 an das wichtigste Kampfflugzeug in mehreren europäischen NATO-Staaten. Bei Produktionsende 1979 war die F-104 das am meisten verbreitete Mach 2 Jagdflugzeug des westlichen Bündnisses.

Bereits während des Koreakrieges begann die Entwicklung eines Überschalljagdflugzeuges. Es flog am 28. Februar 1954 zum ersten mal. Nach Einsatzversuchen mit der “F-104 A” forderte die USAF die Weiterentwicklung zum Jagdbomber. Die Bundesrepublik war vom Potenzial des Starfighter überzeugt und verlangte eine Anpassung an europäische Verhältnisse. Er sollte die Aufgaben eines Jagdbombers mit Nuklearoption, eines Aufklärungsflugzeuges und eines Allwetterjägers erfüllen. “Allwettertauglich” war er nicht. Im April 1961 trafen die ersten F-104 G in Deutschland ein. Die anderen Maschinen wurden von mehreren deutschen Firmen (z.B. Messerschmitt) in Lizenz produziert.

Das Jagdbombergeschwader 31 “Boelcke” in Nörvenich erhielt als Erstes das neue Flugzeug. Ihm folgten 7 weitere Geschwader. Eine Vielzahl von Abstürzen stellte die Flugsicherheit des Typs in Frage. In den ersten 7 Jahren stürzten 90 Maschinen ab, bis zur Außenmusterung 292, wobei 108 Piloten den Tod fanden (nur in Deutschland !!) Die letzte F-104 G wurde erst am 22. Mai 1991 außer Dienst gestellt.

Lockheed F-104 - Testrohr
F-104 G Starfighter - Cockpit
F-104 Starfighter - Cockpit
Lockheed F-104 G “Starfighter”:  das wichtigste Kampfflugzeug in vielen NATO-Staaten
Lockheed F-104 - einstrahliges Kampfflugzeug der Lockheed Corporation
Lockheed F-104 - Tragfläche
F-104 G Starfighter - Vorfeld
F-104 G Starfighter

Schleudersitz: Martin Baker MK-GQ-7A

Verwendung in Luftfahrzeug

F-104 G Starfighter

Herstellerfirrna

Martin-Baker (England)

Verwendungzeit

1968-1985

Gewicht

116 kg

Temperaturbereich

-54 °C bis +71°C

Beriebsbereich

0-m / 0-1100 km/h

Beschleunigung max.

14 G

Beschleunigungsphase

0,5 sec.

Ausschußhöhe

80 m

Antriebsart

Pyrotechnik

Betriebsart

automatisch

.

.

F-104 Starfighter - Schleudersitz Martin Baken MK-GQ-7A

Das Triebwerk General Electric J-79 

General Electric J79 - 1. Einwellen-Triebwerk mit  17 Verdichterstufen

Die Entwicklung dieses Triebwerkes geht bis in das Jahr 1952 zurück. Den Konstrukteuren Neumann und Bruckmann gelang es in wenigen Jahren, ein für die damalige Zeit leistungsstarkes und modernes Triebwerk zu entwickeln. Es war das 1. Triebwerk überhaupt, welsches in Einwellenauslegung mit über 17 Verdichterstufen, davon 6 mit Leitschaufelverstellung verfügt.

Im Februar 1956 diente ein J79 erstmals einer Lockheed YF-104A “Starfighter" als Antrieb. Noch im selben Monat erreichte eine YF-104A die Geschwindigkeit von 2 Mach im Horizontalflug. Das war erstmalig für ein Flugzeug mit Strahltriebwerk !

Mit der Weiterentwicklung der F-104 kamen auch weitere leistungsgesteigerte Triebwerksversionen hinzu. Auch andere Flugzeugmuster, wie die Grumman F11 F-1 F „Tiger', die North American A -5A Vigilante", der Bomber Convair B-58 „Hulster° und die McDonnell F-4 „Phantom II" wurden mit J79- Versionen bestückt. Im zivilen Bereich bildete das J79 unter der Bezeichnung CJ-805-23 die Basis für ein ZTL als Antrieb für die Convair 990 „Coronado".

Mit der Entwicklung des Mehrzweckflugzeuges F-104G im Jahr 1960 entstand die Triebwerksversion J79-GE-11 A. Neben der Produktion in den USA, begann in Kanada bei Orenda Engines Ltd., in Japan bei Ishikawajima-Harima und in Europa ein gigantisches Nachbauprogramm. Allein im europäischen Fertigungsprogramm, zu dem die Firmen BMW Triebwerksbau (später MTU) in München, FN in Herstal, Belgien und Fiat in Turin, Italien gehörten, wurden insgesamt 1.228 Triebwerke gefertigt. Im Jahre 1969 überarbeitete MTU dieses Triebwerk vollständig und entwickelte es zum J79-MTU-1 K weiter. Es verfügt nun über eine Nachbrennerleistung von 70,9 kN. Bis in das Jahr 1973 waren alle deutschen J79-GE-11 A zu J79-MTU-1 K umgerüstet.

Technische Daten:

  • Baumuster: 1-Wellen-Turbojet, Axialverdichter mit regelbaren Nachbrenner
  • Konstrukteur: Gerhard Neumann und Bruno Bruckmann,
  • GE Hersteller: General Electric Cincinnati/Ohio USA, Lizenzfertigung in Europa, Kanada, Japan
  • Verdichter: 17 stufiger Axialverdichter, 6 Stufen verstellbar
  • Brennkammer: Rohr-Ringbrennkammer mit 10 Flammrohren
  • Turbine: 3 stufige Reaktionsturbine
  • Schubsystem: verstellbare Schubdüse, Nachbrenner mit Fackelzünder
  • Anlasser: Druckluft/Kartusche für Gefechtsfall
  • Regelsystem: hydro-mechanische Tauchkolbenregelpumpe
  • Länge: 5282 mm mit Schubrohr
  • Durchmesser: 981 mm
  • Gewicht: 1615 kg
  • Startschub: 70,3 kN/7167 kp mit maximalem Nachbrenner
  • Drehzahl: 7460 U/min
  • Luftdurchsatz: 73,5 kg/sek
  • Turbineneingangstemperatur: 1200° K
General Electric J79-GE-11A
Infrarot-Rakete AIM-9B Sidewinder

Infrarot-Rakete AIM-9B “Sidewinder”

Der Infrarotsensor der Sidewinder war nicht gekühlt, das Sucherfenster bestand aus Silizium. Aufgrund der damaligen einfachen Elektronik (Vakuumröhren) des ungekühlten Suchers und der langsamen Datenverarbeitung konnte die Rakete nur direkt auf das Triebwerk des gegnerischen Flugzeugs gerichtet werden und war noch nicht in der Lage, Ausweichmanöver nachzuvollziehen. Der Thiokol Mk.17 Festbrennstoffmotor lieferte Schub für ca. 2,2 Sekunden.

General Electric M 61 Vulcan: Gatling-Kanone

GE M 61 Vulcan

Die Waffe ist eine mehrrohrige Gatlingkanone, deren Erprobung 1953 begann. Das Rohrbündel dreht sich entgegen dem Uhrzeigersinn, wobei das Gehäuse feststeht. Praktisch bedeutet dies, dass die Wärmeentwicklung und Korrosion der Rohre durch Pulvergase auf ein Minimum reduziert und die Rohrlebensdauer verlängert wird. Die 6 Rohre ermöglichen eine hohe Kadenz und Feuerdichte. Dieses führt jedoch zu Problemen bei der Munitionszuführung. Bis 1956 wurde daher ein gurtloses System entwickelt, aber jedes Flugzeugmuster benötigte eine speziell angefertigte Lafettierung. Zur Zeit gibt es ca. 30 Varianten. Am weitesten verbreitet ist das Muster M 61A1. Als erstes Flugzeug erhielt der Starfighter die Kanone (Munitionsvorrat 260 Schuss). ln größeren Flugzeugen erhöhte sich dieser auf ca. 600 bis 2.000 Patronen. Die Kanone kann in speziellen Behältern auch als Außenlast mitgeführt werden.

Technische Daten der Gatlingkanone M 61 Vulcan:

Hersteller

General Electric Comp.

Land

USA

Jahr

1960

Kaliber

20 mm

Kadenz

6000 Schuss/min.

Masse

10 kg

Länge

1880 mm

Einbau:

F-104 Starfigter

 

B-58 Hustler

 

B-52 Stratofortress

 

F-4 Phantom II

 

F-14 Tomcat

 

F-15 Eagle

 

 

3-Seiten-Ansicht einer F-104G:

Starfighter F-104 - Skizze

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow - Berlin, Spandau

 


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